APS und Annex 1: Das neue Gesicht des Media Fill in der Sterility Assurance

Aseptic Process Simulation: Warum der „alte“ Media Fill im Zeitalter von Annex 1 nicht mehr ausreicht

Über Jahrzehnte hinweg wurde der „Media Fill“ von vielen als eine Prüfung betrachtet, die man alle sechs Monate bestehen musste: abfüllen, inkubieren, hoffen, dass alles klar bleibt, und dann wieder produzieren. Mit dem Inkrafttreten der Revision 2022 von Annex 1 der EU GMP ist diese Sichtweise jedoch überholt – und gefährlich. Heute sprechen wir von Aseptic Process Simulation (APS), ein Begriff, der betont, dass nicht nur der Abfüllvorgang, sondern der gesamte aseptische Prozess simuliert werden muss – einschließlich seiner Schwachstellen und seiner Wechselwirkungen mit der Contamination Control Strategy (CCS).

Der Paradigmenwechsel: Vom Test zur Strategie

APS ist keine isolierte Aktivität. Die neuen Leitlinien (nicht nur EU, sondern auch PIC/S und WHO) verlangen, dass APS auf einem stringenten Quality Risk Management (QRM) basiert. Es reicht nicht mehr aus zu sagen: „Wir machen es wie immer“. Stattdessen müssen folgende Fragen gestellt werden:

  • Wo liegen die Schwachstellen meines Prozesses?
  • Was ist der reale „Worst Case“ in Bezug auf die Ermüdung des Bedienpersonals?
  • Decken die simulierten Interventionen tatsächlich die täglichen Risiken ab?

Auswirkungen auf die Patientensicherheit

Eine gut konzipierte APS ist die letzte verifizierende Barriere, bevor ein Prozess als sicher für den Patienten angesehen wird. Ein Test unter „idealen“ Bedingungen (ausgeruhte Operatoren, keine Störungen, reduzierte Geschwindigkeit) vermittelt eine trügerische Sicherheit. Annex 1 fordert, dass APS den Prozess herausfordert: schwierige Schichten, simulierte mechanische Störungen und Grenzbedingungen der Umgebung müssen einbezogen werden.

Zentrale Punkte für Pharma-Professionals

  • Null-Toleranz-Ziel: Das Akzeptanzkriterium ist eindeutig: null kontaminierte Einheiten. Jedes Wachstum gilt als Fehlschlag und erfordert eine tiefgehende Untersuchung.
  • Integration in die CCS: APS überprüft die Wirksamkeit der Contamination Control Strategy. Wenn die CCS behauptet, Risiken würden durch Luftströmungen mitigiert, muss APS dies auch während invasiver Eingriffe belegen.
  • Spezifische Technologien: Die Anforderungen unterscheiden sich je nach Einsatz von Isolatoren, RABS oder manuellen Prozessen. Ein „One-size-fits-all“-Ansatz funktioniert nicht mehr.

FAQ: Häufige Fragen zur APS

Wie oft muss ein Media Fill durchgeführt werden?
Die Standardfrequenz ist halbjährlich für jede Linie und jede operative Schicht. Jeder qualifizierte Operator muss mindestens einmal pro Jahr an einer APS teilnehmen.

Darf ich Einheiten während der APS verwerfen?
Ja, aber nur, wenn der Ausschuss in den Produktions-SOPs für diese spezifische Situation vorgesehen ist (z. B. Initial-Setup). Ein „vorsorgliches“ Verwerfen ohne prozedurale Begründung stellt einen kritischen Verstoß dar.

Was passiert, wenn eine einzige Einheit kontaminiert ist?
Dies gilt als Fehlschlag der APS. Es erfordert eine formale Untersuchung (Root Cause Analysis), Korrekturmaßnahmen (CAPA) sowie die erfolgreiche Wiederholung von drei aufeinanderfolgenden Media Fills, bevor der Prozess erneut validiert werden kann.

Fazit

APS ist der Spiegel der Qualität Ihres sterilen Bereichs. Die Transformation von einer bürokratischen Pflicht zu einem wissenschaftlichen Instrument ist der Schlüssel, um ruhig schlafen zu können – und ebenso die Sicherheit der Patienten zu gewährleisten.

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