DIRA Data Integrity Risk Assessment: wie man sie Schritt für Schritt durchführt
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DIRA Data Integrity Risk Assessment: vollständige operative Methode
Das DIRA – Data Integrity Risk Assessment ist ein zentrales operatives Instrument, um Risiken für GxP-Daten zu bewerten und zu minimieren. Im Folgenden findest du eine praxisorientierte Anleitung für eine methodische Umsetzung, basierend auf den Best Practices aus dem Leitfaden ALCOA+ & Data Governance.
1. Definition des Umfangs
Lege fest, was du analysierst:
- ein System (z. B. LIMS, HPLC)
- einen Prozess (Batch Record Review, Wägeprozesse, Abweichungsmanagement)
- einen Bereich (QC, Produktion)
Eine wirksame DIRA setzt einen klar definierten Umfang voraus.
2. Bildung des Teams
Das Team sollte immer folgende Rollen enthalten:
- QA (Gewährleistung der Compliance)
- IT/CSV (bei IT-/Computersystemen)
- Fachexperten (Analysten, Operatoren)
- Data Owner
- Bereichsverantwortliche/r
3. Abbildung des Datenflusses
Dies ist eine der kritischsten Phasen.
Mappe alle Phasen des Data Lifecycle:
Generierung → Aufzeichnung → Verarbeitung → Review → Archivierung → Wiederherstellung → Vernichtung
Erfasse für jeden Punkt:
- beteiligte Personen
- eingesetzte Instrumente und Systeme
- Datenträger (papierbasiert/elektronisch)
- potenzielle Risiken
4. Identifizierung der Risiken
Für jeden Punkt analysierst du die 9 ALCOA+-Attribute:
- Attributable: geteilte Accounts, fehlende Unterschriften
- Legible: unleserliche Formulare, veraltete Formate
- Contemporaneous: Backdating, verspätete Einträge
- Original: Veränderbarkeit von Rohdaten, unkontrollierte Kopien
- Accurate: Rechenfehler, nicht nachverfolgbare Re-Integrationen
- Complete: fehlende Daten, unvollständige Speicherungen
- Consistent: inkonsistente Zeitstempel
- Enduring: leicht verderbliche oder instabile Datenträger
- Available: nicht wiederauffindbare Daten oder ungetestete Backups
5. Bewertung von Schweregrad × Wahrscheinlichkeit × Entdeckbarkeit
Nutze eine qualitative Skala (hoch/mittel/niedrig) oder ein numerisches Punktesystem.
Identifiziere dabei inakzeptable Risiken.
6. Ermittlung bestehender Kontrollen + Gaps
Beispiele für Kontrollen:
- aktivierter Audit Trail
- Vier-Augen-Prinzip / Doppelsignatur
- kontrollierte Formulare
- automatische Backups
- validierte Berechnungen
- individuelle Benutzerzugänge
Identifiziere, welche Kontrollen fehlen bzw. unzureichend sind.
7. Minderungsmaßnahmen (Mitigation Actions)
Konkrete Beispiele aus dem Leitfaden:
- Audit Trail aktivieren und wöchentlich überprüfen
- SOP für manuelle Integration von Chromatogrammen einführen
- gemeinsame Benutzerkonten abschaffen
- zentrale Backups mit regelmäßigen Restore-Tests implementieren
- Pflichtbegründung für HPLC-Reinjektionen einführen
⚠️ Achtung auf …
- zu allgemeine Analysen (von Inspektoren nicht akzeptiert)
- fehlende Dokumentation von Kriterien und Bewertung
- ausschließliche Fokussierung auf organisatorische Maßnahmen ohne technische Kontrollen
- pauschale Einstufung aller Risiken als „mittel/niedrig“ ohne Begründung
🔧 Umgang mit einer Nichtkonformität
Wenn eine DIRA schwerwiegende Risiken aufdeckt (z. B. nicht wiederherstellbare Daten, deaktivierter Audit Trail):
- eine Abweichung eröffnen
- Root Cause Analysis durchführen
- technische und organisatorische CAPA-Maßnahmen umsetzen
- die DIRA nach Implementierung der Maßnahmen aktualisieren
🧰 GMP Best Practices
- Methoden, Annahmen und Bewertungskriterien stets dokumentieren
- Anwender einbeziehen, die den realen Prozess tatsächlich kennen
- DIRA-Maßnahmen mit dem CAPA-System verknüpfen
- die DIRA jährlich oder nach Prozessänderungen überprüfen
Zusammengefasste operative Checkliste
- Umfang klar definiert
- vollständige Datenflusskarte erstellt
- ALCOA+-Analyse für jeden Schritt durchgeführt
- Risikobewertung mit klaren Kriterien
- Gaps identifiziert
- Minderungsmaßnahmen mit Verantwortlichen zugeordnet
- Maßnahmen in CAPA integriert
- Review-Termin geplant
Realistischer Use Case
QC-HPLC-System:
- Risiko: manuelle Re-Integration ohne Audit Trail → hoch
- Maßnahme: Audit Trail aktivieren + SOP für Begründung der Integration + stichprobenartige QA-Überprüfung
Schlussfolgerung
Eine gut durchgeführte DIRA reduziert Risiken und Abweichungen, erhöht die Datenqualität und stellt die Audit-Readiness sicher. Mehr dazu findest du im vollständigen Leitfaden auf GuideGxP.com.
