ICH M7: Wie man mutagene Verunreinigungen Schritt für Schritt managt
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ICH M7: Schritt-für-Schritt-Leitfaden zur Kontrolle mutagener Verunreinigungen
Einleitung
Mutagene Verunreinigungen gehören zu den sensibelsten Risiken aus regulatorischer und toxikologischer Sicht. Im Gegensatz zu klassischen Verunreinigungen können selbst infinitesimale Mengen theoretisch das Krebsrisiko erhöhen. ICH M7 liefert den internationalen Rahmen zur Identifizierung, Klassifizierung und Kontrolle dieser Verunreinigungen. Die Safety Guidelines ICH S bieten Beispiele, Templates und Fallstudien, die für eine strenge und konsistente Anwendung des Modells unerlässlich sind.
Schritt 1: Identifizierung der Verunreinigungen
Der erste Schritt ist der kritischste. Die gesamte API-Synthese muss analysiert werden, um Folgendes zu identifizieren: potenziell mutagene Reagenzien (Alkylierungsmittel, Nitrosierungsmittel, Epoxide), Intermediate mit reaktiven Gruppen, bekannte oder vorhersehbare Nebenprodukte sowie vernünftigerweise mögliche Abbauverunreinigungen. Die Leitlinie betont den Einsatz annotierter Syntheseschemata und Entscheidungsbäume.
Schritt 2: (Q)SAR-Analyse
Für jede potenzielle Verunreinigung ohne experimentelle Daten werden zwei (Q)SAR-Modelle durchgeführt: ein regelbasiertes Modell (z. B. Derek Nexus) und ein statistisches QSAR-Modell. Sind beide negativ, erfolgt die Einstufung in Klasse 5. Bei einem positiven Ergebnis wird die Verunreinigung je nach Literaturlage in Klasse 3 oder 2 eingeordnet.
Schritt 3: Einstufung in die fünf M7-Klassen
• Klasse 1: mutagen und krebserzeugend (z. B. die stärksten Nitrosamine)
• Klasse 2: mutagen (Ames positiv), ohne Nachweis der Kanzerogenität
• Klasse 3: struktureller Alert, unzureichende Daten
• Klasse 4: struktureller Alert, aber negative experimentelle Daten
• Klasse 5: kein struktureller Alert
Schritt 4: Festlegung der Grenzwerte (AI, TTC, LTL)
ICH M7 führt das zentrale Konzept des TTC (Threshold of Toxicological Concern) = 1,5 µg/Tag ein, entsprechend einem Risiko von 1 : 100.000. Die Leitlinie behandelt ebenfalls die LTL-Grenzwerte (Less-Than-Lifetime):
• Therapie < 1 Monat → bis zu 60 µg/Tag
• Therapie < 1 Jahr → ca. 20 µg/Tag
• Therapien 1–10 Jahre → ca. 10 µg/Tag
Schritt 5: Kontrollstrategie (4 M7-Optionen)
Option 1: Prüfung am Produkt/API
Option 2: Nachgewiesenes Purging
Option 3: Kontrolle der Ausgangsstoffe
Option 4: Wissenschaftliche Bewertung ohne Test
Die Auswahl hängt von der Position der Verunreinigung in der Synthese und der Fähigkeit zu ihrer Eliminierung ab.
Wichtige Hinweise
Nicht nur das API berücksichtigen: einige Verunreinigungen entstehen erst in der Formulierung. Nitrosamine erfordern stets eine eigene Bewertung. Allgemeine Aussagen ohne Datengrundlage sind zu vermeiden.
Umgang mit einer Nichtkonformität
Übersteigt eine mutagene Verunreinigung den Grenzwert (AI/TTC), müssen folgende Schritte erfolgen:
• Sofortige Batch-Sperrung
• Bewertung der tatsächlichen kumulativen Patientenexposition
• Konsultation eines qualifizierten Toxikologen
• Einleitung geeigneter CAPA-Maßnahmen
• Falls erforderlich: Information der Behörde
Häufige Fehler und Lösungen
• Fehler: Einstufung ohne QSAR-Daten → Lösung: beide QSAR-Modelle dokumentieren
• Fehler: LTL-Grenzen ohne Begründung der Therapiedauer → Lösung: immer mit SmPC/Dosierung verknüpfen
• Fehler: übermäßiges Vertrauen auf Purging ohne Daten → Lösung: experimentell belegen
GMP-Best Practices
Integration von M7 ins Change Control, jährliche Überprüfung im PQR sowie Pflege einer Masterdatei mutagener Verunreinigungen.
Praxisbeispiel
Ein mittels Alkylhalogenid synthetisiertes API weist eine Klasse-3-Verunreinigung mit einem geschätzten Gehalt von 0,3 µg/Tag auf. Da dieser Wert unterhalb des TTC liegt, empfiehlt die Leitlinie, den TTC direkt anzuwenden, ohne einen Ames-Test durchzuführen – das Risiko ist vernachlässigbar.
Schlussfolgerung
ICH M7 erfordert wissenschaftliche und dokumentarische Strenge. Eine korrekte Implementierung des Modells ermöglicht die Prävention toxikologischer Risiken und kritischer Inspektionen. Weitere Details finden Sie in der vollständigen Leitlinie auf GuideGxP.com.
