ICH Q8–Q9–Q10–Q12: Schritt-für-Schritt-Betriebsleitfaden
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Wie man ICH Q8–Q9–Q10–Q12 implementiert: Operative Anleitung
Einführung
Die Anwendung von ICH Q8–Q12 bedeutet nicht Theorie, sondern die tägliche Umsetzung von Entscheidungen, Prozessen und Kontrollen. Diese Anleitung begleitet GMP-Teams praxisnah und Schritt für Schritt – von der Produktentwicklung bis zum Lifecycle-Variationsmanagement.
Schritt 1: Festlegung des QTPP (Q8)
Operative Aktivitäten:
- Verwendungszweck des Produkts definieren
- Kritische Parameter identifizieren (Stabilität, Auflösung, Reinheit)
- Jeden Parameter mit den Risiken für den Patienten verknüpfen
Output: Vollständiges QTPP, vom funktionsübergreifenden Team genehmigt.
Schritt 2: Identifizierung von CQAs und kritischen Variablen
QRM-Werkzeuge einsetzen:
- Ishikawa zur Abbildung potenzieller Variabilitätsquellen
- FMEA zur Bewertung von Auswirkungen auf Sicherheit/Wirksamkeit
- DOE-Screening zur Analyse der Beziehungen zwischen Variablen und CQA
Output: CQA-Tabelle + Kritikalitätsranking.
Schritt 3: Erstellung des Design Space
Technische Aktivitäten:
- Durchführung von DOE
- Modellierung der Prozessparameter
- Definition akzeptabler multidimensionaler Bereiche
- Dokumentation des wissenschaftlichen Kenntnisstands
Output: Design Space fertig für das Dossier.
Schritt 4: Risikobasierte Kontrollstrategie
Beinhaltet:
- IPC und PAT
- Kontinuierliche Prozessüberwachung
- Real Time Release Testing, sofern anwendbar
- Trendanalysen
Output: In das PQS integrierte Control Strategy.
Schritt 5: QRM in das PQS integrieren (Q9 + Q10)
Umsetzen in:
- Deviation & CAPA
- Change Control
- Lieferantenmanagement
- Validierungen
- PQR
Ziel: Jede Entscheidung muss eine dokumentierte Risiko-Begründung aufweisen.
Schritt 6: Lifecycle Management (Q12)
Operativ:
- Established Conditions (ECs) definieren
- PLCM-Dokument erstellen
- PACMP für komplexe Änderungen entwickeln
- RA–QA–Manufacturing ausrichten
Output: Vorhersehbarer und schnellerer Variationsprozess.
❗ Achtung bei…
- Unterschätzung der Bedeutung des QTPP
- Zu allgemein gehaltenen FMEA
- Fehlender Verbindung zwischen Entwicklung und kommerzieller Phase
- Präsentation eines Design Space ohne solide Daten
- Change Control ohne beigefügtes QRM
🛠️ Umgang mit einer Nichtkonformität
- Ereignis und potenzielle Auswirkungen auf CQA identifizieren
- Proportional geeignetes QRM-Tool anwenden
- Restrisiko bestimmen
- Korrektive + präventive CAPA auswählen
- Wirksamkeit der CAPA überprüfen
- QRM-Dokument aktualisieren, falls erforderlich
🧩 GMP Best Practices
- Jede Annahme dokumentieren
- Reale Daten gegenüber Expertenmeinungen bevorzugen
- QA frühzeitig einbeziehen
- PAT und kontinuierliche Analytik zur Reduzierung von Endtests nutzen
- Zentrales Wissensrepository für Q8–Q9–Q10 aufbauen
✔️ Kurze operative Checkliste
- QTPP definiert
- CQAs identifiziert
- FMEA abgeschlossen
- DOE durchgeführt
- Design Space dokumentiert
- Kontrollstrategie genehmigt
- QRM in PQS integriert
- PLCM erstellt
Realistischer Anwendungsfall
Ein Unternehmen führt einen neuen API-Lieferanten ein.
Ohne QRM → häufige Abweichungen, langsame Variationsprozesse.
Mit QRM + Q12 → Risiko bewertet, API-Parameter mit CQA abgeglichen, zusätzlicher Kontrollschritt eingeführt, Änderung schnell über PACMP umgesetzt.
Fazit
Die operative Implementierung von Q8–Q12 bringt Robustheit, Geschwindigkeit und Qualität in jede Phase des Produktlebenszyklus.
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