Wie man die ICH-E-Leitlinien anwendet: Operativer Leitfaden für QA/QP
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Wie man die ICH-E-Leitlinien anwendet: Operativer Leitfaden für QA/QP
Einleitung
Die ICH-E-Leitlinien legen die globalen Anforderungen zur Sicherstellung der Qualität in klinischen Studien fest. Für QA und QP ist ihr Wert nicht nur regulatorisch, sondern hochgradig operativ: Aufsicht, Dokumentenmanagement, Datenintegrität und risikobasierte Steuerung sind entscheidend für die GCP-Compliance.
Dieser Schritt-für-Schritt-Leitfaden übersetzt die regulatorischen Anforderungen in konkrete Aktivitäten.
Schritt 1: Bewertung des QMS des Sponsors
Zu Beginn müssen QA und QP sicherstellen, dass das Quality Management System:
- mit den Grundsätzen von ICH E6(R3) übereinstimmt,
- risikobasiert ist (QbD + QRM),
- vollständige und aktuelle SOPs enthält,
- von Monitoring-Plänen unterstützt wird, die der Komplexität der Studie entsprechen.
Der Sponsor muss Rollen, Delegationen und Entscheidungsprozesse eindeutig definieren. Andernfalls ist das Risiko eines Major Findings hoch.
Schritt 2: Delegationen und CRO-Oversight prüfen
Jede an CRO oder Vendor delegierte Aktivität muss:
- vertraglich formalisiert,
- im TMF nachvollziehbar dokumentiert,
- durch Co-Monitoring, Review-Reports, KPIs und QTL überwacht werden.
Reale Fallstudien zeigen, dass fehlende Oversight-Nachweise unmittelbar zu kritischen Abweichungen führen.
Schritt 3: Investigator und Delegationen kontrollieren
QA/QP müssen sicherstellen, dass die Prüfzentren über Folgendes verfügen:
- qualifizierter Investigator (CV, GCP-Training),
- aktuelles Delegationslog proportional zur Kritikalität,
- klare Prozesse für SAE- und SUSAR-Meldungen,
- korrekte IMP-Verwaltung und vollständige Accountability.
Die ICH-E-Leitlinien betonen: Keine Delegation entbindet den PI von seiner Endverantwortung.
Schritt 4: Ein audit-bereites TMF sicherstellen
Checkliste:
- vollständige, versionierte, zugängliche Dokumente
- Essential Records in Echtzeit aktualisiert
- Oversight-Nachweise vorhanden
- Alignment zwischen Sponsor-TMF und ISF
- Audit Trails und elektronische Aufzeichnungen eingeschlossen
Ein unvollständiges TMF zählt zu den häufigsten Beanstandungen seitens EMA/MHRA.
Schritt 5: Risk-Based Quality Management implementieren
Die Leitlinie beschreibt die Schritte des QRM:
- Risikoidentifikation
- Bewertung (Wahrscheinlichkeit, Impact, Detectability)
- Risikominderung
- Monitoring
- periodische Überprüfung
Nützliche Werkzeuge für QA/QP:
- Quality Tolerance Limits (QTL)
- zentrales Monitoring
- Trigger für Site-Escalation
Schritt 6: Datenintegrität sicherstellen
Unverzichtbare Kontrollen:
- geplante, risikobasierte Audit-Trail-Überprüfung
- User- und Berechtigungsmanagement
- Validierung der Systeme (EDC, ePRO, eTMF, IRT)
- Prüfungen der Datenübertragungen
- Schutz der Verblindung
Typische Fehler:
- geteilte Accounts
- nicht geprüfte Audit Trails
- nicht validierte Systeme
- spät dokumentierte Änderungen ohne Begründung
Umgang mit Abweichungen
Tritt eine Abweichung auf:
- sofortige Dokumentation
- Root-Cause-Analyse
- Bewertung des Einflusses auf Patientensicherheit und Datenintegrität
- Umsetzung messbarer CAPA
- Aktualisierung von SOPs oder Trainings bei Bedarf
GMP Best Practices für QA/QP
- „Inspection mindset“: TMF jederzeit bereit.
- Protokoll-Änderungen und elektronische Systeme synchron halten.
- Regelmäßige Kontrolle der RSI und Safety-Prozesse.
- Relevante Audit Trails im TMF sicherstellen.
- Spezifische Trainings zu QRM und Data Governance anfordern.
Reales Szenario
Ein Sponsor erhält ein Major Finding: unvollständiges TMF und nicht dokumentiertes CRO-Oversight.
QA/QP-Maßnahmen:
- Rekonstruktion fehlender Dokumente
- Definition von Qualitäts-KPIs
- Überarbeitung von Verträgen und Delegationen
- Aktualisierung des Monitoring Plans
Ergebnis: Die Studie ist nach drei Monaten wieder compliant.
Schlussfolgerung
Die ICH-E-Leitlinien werden zu operativen Werkzeugen, wenn sie korrekt angewendet werden. QA und QP können mit einem strukturierten, risikobasierten Ansatz klinische Studien sicher, robust und vollständig audit-ready gestalten. Erfahren Sie mehr in der vollständigen Leitlinie auf GuideGxP.com.
