PHARMA LAB · PL-02-007

Bioburden: Keimzahl, Wiederfindung und Methodeneignung

Koloniezahlen werden erst mit untersuchter Menge, Vorbereitung und Wiederfindung aussagekräftig. Ein Leitfaden zur Methodenwahl und Ergebnisbewertung.
Koloniezählgerät mit geschlossenen Platten, verschlossenen Röhrchen und versiegelter Flasche; die dargestellten Kolonien sind keine realen Prüfergebnisse.

Zwanzig Kolonien sind keine Konzentration. Zur Bewertung braucht man die tatsächlich untersuchte Probenmenge, Verdünnungen und Bedingungen der Wiederfindung. Die Zählung beschreibt unter den Methodenbedingungen wiedergefundene kultivierbare Mikroorganismen, nicht sämtliche vorhandenen Zellen.

Dieser Beitrag behandelt Auswahl und Bewertung von Zählmethoden. Er ersetzt keine Sterilitätsprüfung; auch Endotoxine sind von wiederfindbaren Organismen zu unterscheiden. Praktischer Kern ist eine Entscheidungsmatrix mit Rechenbeispiel.

1. Festlegen, was die Zählung messen soll

Unterscheiden Sie die Überwachung der Prozesskeimbelastung, Materialkontrollen und Arzneibuchprüfungen nicht steriler Produkte. Ähnliche Prinzipien können unterschiedliche Entscheidungen stützen. Legen Sie vor der Methodenwahl Matrix, relevante Population, Kontrollpunkt, Ergebniseinheit und geltendes Kriterium fest: KBE/mL, KBE/g und KBE/Einheit sind nicht austauschbar.

Die öffentliche Vorschau zu USP 〈1119〉 unterscheidet Bioburden-Monitoring von der arzneibuchbezogenen Bewertung der Akzeptabilität nicht steriler Produkte. Wählen Sie ein Kapitel nicht allein wegen des Begriffs „Keimzahl“. Klären Sie zuerst Ergebniszweck, einschlägige Spezifikationen und Zulassungen.

2. Die Probenahme auf die Fragestellung ausrichten

Definieren Sie Entnahmeort und Zeitpunkt, Menge, Behälter und Weg bis zur Prüfung. Eine Probe nach einem Keimreduktionsschritt beschreibt nicht automatisch vorgelagerte Bedingungen. Bei heterogenem Material muss die Vorbereitung ein aussagekräftiges Aliquot ermöglichen, ohne Lebensfähigkeit oder Verteilung der Mikroorganismen unangemessen zu verändern.

Begründen Sie Transport, Lagerung und maximale Zeit bis zur Analyse für diese Matrix. Längere Wartezeiten können Wachstum, Vitalitätsverlust oder Aggregation begünstigen. Dokumentieren Sie tatsächliche Zeiten und Abweichungen; ein rechnerisch präzises Ergebnis gleicht keine unrepräsentative Probe aus. Der Probenahmeplan, nicht die Keimzahl allein, trägt Schlussfolgerungen zur Charge.

3. Zählverfahren vergleichen

Membranfiltration kann eine größere Probenmenge konzentrieren, sofern die Probe filtrierbar ist und das Verfahren die Wiederfindung erhält. Oberflächen- oder Gussplattenverfahren verwenden definierte Aliquote: Verdünnung kann Interferenzen reduzieren, verkleinert aber zugleich die beobachtete Originalprobenmenge. Medientemperatur, ausbreitende Kolonien und Ablesbarkeit können die Auswahl beeinflussen.

Wo vorgesehen und geeignet, liefert das Verfahren der wahrscheinlichsten Keimzahl eine statistische Schätzung mit eigenem Unsicherheitsmodell. Es ist keine Koloniezählung, die mit derselben Formel umgerechnet wird. Verfahren, Medien und Bedingungen müssen die relevante Population erfassen und die erforderliche Entscheidung unterstützen.

Eigene Matrix zur Methodenwahl und Eignungsprüfung
OptionProbeMögliche InterferenzErforderlicher Nachweis
MembranfiltrationFiltrierbare Flüssigkeit mit niedriger erwarteter KeimzahlVerstopfung, hemmende Rückstände, MembranwechselwirkungVerarbeitbare Menge und Wiederfindung im gewählten Aufbau
OberflächenverfahrenGleichmäßig verteilbares AliquotZusammenfließende Kolonien, Partikel, begrenzte MengeGeeignete Verteilung, Ablesbarkeit und Zählbereich
GussplattenverfahrenMit dem Medium verträgliches AliquotEinfluss der Medienvorbereitung, schlecht erkennbare KolonienWiederfindung und Ablesung unter tatsächlichen Bedingungen
Extraktion vor der ZählungNicht direkt analysierbares MaterialUnvollständige Ablösung, Aggregate, unzureichende NeutralisationWiederfindung über den gesamten Weg, nicht nur in der Endflüssigkeit

4. Wiederfindung und fehlende relevante Interferenzen belegen

Unterscheiden Sie Ablösung vom Material, Überleben während der Vorbereitung und Wachstum im Zählsystem. Eine erst der Endflüssigkeit zugesetzte Kontrolle prüft nicht zwingend die Extraktion aus der Probe. Definieren Sie die Frage jeder Kontrolle und den Punkt, an dem sie ansetzt.

Das FDA Pharmaceutical Microbiology Manual, Kapitel 2, verknüpft Eignung mit vorhandenen Produkteinflüssen und dem Umgang mit Hemmung. Bewerten Sie Verdünnung, Entfernung oder Neutralisation antimikrobieller Aktivität einschließlich Kontrollen zur Neutralisatortoxizität. Das Fehlen eines deklarierten Konservierungsstoffs schließt Matrixeffekte nicht aus.

Die Wachstumsförderung des Mediums ersetzt keine Eignung in Gegenwart des Produkts. Bei nicht bestandener Wiederfindungskontrolle dürfen Sie das Ergebnis weder willkürlich prozentual korrigieren noch die Probe als konform erklären. Bewerten Sie Methodengültigkeit und betroffene Ergebnisse im Qualitätssystem.

Eine Studie von 2020 verknüpft Matrixinterferenzen mit der Unsicherheit der Keimzahlbestimmung.

5. Mit der tatsächlich untersuchten Originalmenge rechnen

Simuliertes Beispiel ausschließlich zur Berechnung. Eine Vorbereitung enthält 10 mL Probe, aufgefüllt auf insgesamt 100 mL: Jeder mL entspricht 0,1 mL Originalprobe. Zwei Aliquote von je 1 mL ergeben 18 und 22 Kolonien. Unter der Annahme methodisch verwertbarer Zählungen beträgt das untersuchte Originalvolumen 2 × 1 × 0,1 = 0,2 mL. Das Ergebnis lautet (18 + 22)/0,2 = 200 KBE/mL.

Unabhängige Rechenkontrolle: durchschnittlich 20 Kolonien je Aliquot, multipliziert mit dem Verdünnungsfaktor 10 und dividiert durch 1 mL, ergeben ebenfalls 200 KBE/mL. Multiplizieren Sie nach Verwendung des Mittelwerts nicht nochmals mit zwei. Bei unterschiedlichen Verdünnungen oder ausgeschlossenen Zählungen gilt die Methodenformel statt eines improvisierten Mittelwerts.

Zum Vergleich liefern zwei Filtrationen von jeweils 10 mL unverdünnter Probe dieselben Zählungen, 18 und 22: 40/20 = 2 KBE/mL. Der Koloniemittelwert ist gleich, die errechnete Konzentration unterscheidet sich jedoch um den Faktor hundert. Kein Beispielwert ist ein Akzeptanzgrenzwert.

6. Niedrige, hohe oder nicht vergleichbare Ergebnisse bewerten

Null Kolonien bedeutet, dass in der untersuchten Menge unter den eingesetzten Bedingungen keine Kolonie beobachtet wurde, nicht absolute Abwesenheit oder Risikofreiheit. Die einer Kolonie entsprechende Menge beschreibt eine nominale Auflösung, für sich genommen keine validierte Nachweisgrenze. Dokumentieren Sie Ergebnisse unterhalb des Quantifizierungsbereichs sowie zu hohe oder zusammenfließende Zählungen nach freigegebenen Regeln und erhalten Sie die Originalablesung.

Simulierter Fall. Die beiden Beispielproben erscheinen gleichwertig, wenn nur „20 Kolonien“ betrachtet wird. Die Normierung ergibt 200 und 2 KBE/mL. Ist jedoch die Eignungskontrolle der zweiten Probe nicht akzeptabel, belegt auch diese Differenz keine geringere Kontamination: Die Wiederfindung könnte beeinträchtigt sein. Klären Sie vor dem Vergleich die Zuverlässigkeit beider Prüfwege.

Vergleichen Sie anschließend Ergebnis, geltende Grenzen, Trends und Prozessdaten. Mitteln Sie keine Messungen nicht gleichwertiger Populationen oder Mengen, um eine Auffälligkeit zu verdecken. Eine KBE kann aus einer Zelle oder einem Aggregat entstehen; sie ist keine exakte Zellzahl.

7. Die Gebrauchseignung erhalten

Die Dokumentation muss Zweck, Matrix, Probenahme, Vorbereitung, Kontrollen, Berechnungen, Kriterien und Prüfverantwortlichkeiten verbinden. Erhalten Sie Rohdaten, tatsächliche Verdünnungen, Ablesungen und Ausschlussbegründungen. Qualifizieren Sie Geräte und Personalkompetenz für den Verwendungszweck.

Änderungen an Formulierung, Behälter, Membran, Neutralisator oder Wartezeit erfordern eine Folgenbewertung. Prüfen Sie Kontrollleistung und Trendvergleichbarkeit bei Methodenänderungen. Übertragen Sie Wiederfindungskriterien oder Korrekturfaktoren für Medizinprodukte nicht automatisch auf die Qualitätskontrolle von Arzneimitteln.

Weitere Methoden finden Sie im Hub Mikrobiologie und Sterilitätsprüfung.

Quellen und Zugriffsgrenzen

Quellenprüfung am 30. September 2026. Matrix, Berechnungen und Fall sind eigene didaktische GuideGxP-Inhalte; die Rechnung wurde gesondert geprüft.

Fachinformationen zur Entscheidungsfindung; sie ersetzen weder freigegebene Verfahren noch geltende Anforderungen oder das Gerätehandbuch.

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