PHARMA LAB · PL-03-016

Laborzentrifugen: Auswahl, Rotoren und Drehzahl versus RZB

Die Höchstdrehzahl allein entscheidet nicht über die Eignung. Vergleichen Sie die erforderliche Trennung mit Rotorgeometrie, Gefäßen und tatsächlichen Methodenbedingungen.
Stillstehende Tischzentrifuge mit Festwinkelrotor und symmetrischen Röhrchen neben einem Ausschwingrotor.

Von der erforderlichen Trennung ausgehen

Beschreiben Sie vor dem Gerätevergleich, was mit der Probe geschehen soll. Soll ein Extrakt geklärt und der Überstand behalten, ein Niederschlag gesammelt oder eine Fraktion getrennt werden? Legen Sie fest, welche Fraktion analysiert wird und welche Verluste, Kontaminationen oder Resuspendierung das Ergebnis verändern könnten. Ein scheinbar klarer Überstand beweist allein nicht, dass der Analyt in der gewünschten Fraktion verblieben ist.

Erfassen Sie Matrix, Lösungsmittel, Volumenbereich, Gefäße, Probenzahl je Durchgang und zulässige Wartezeiten. Die nutzbare Kapazität hängt von der tatsächlich verwendeten Konfiguration einschließlich Kontrollproben und erforderlicher Ausgleichspositionen ab. Sie entspricht nicht zwangsläufig der beworbenen Höchstzahl an Plätzen.

Verknüpfen Sie diese Anforderungen mit dem dokumentierten Ablauf der Probenvorbereitung. Im EU-GMP-Kontext beginnt die Auswahl bei der Gebrauchseignung: Eine Katalogeigenschaft muss zu einer überprüfbaren, durch die Methode begründeten Anforderung werden.

Rotorgeometrien vergleichen

Beim Festwinkelrotor behalten die Röhrchen die konstruktiv vorgegebene Neigung. Beim Ausschwingrotor verändern die Becher ihre Ausrichtung während der Rotation. Dadurch ändern sich Sedimentationsweg und Lage des Sediments im Gefäß. Dies beeinflusst auch die Gewinnung von Pellet, Überstand oder Fraktionen.

Ordnen Sie nicht aus Gewohnheit jeder Methode dieselbe Geometrie zu. Vergleichen Sie nutzbare Kapazität, Trennweg, Probenzugänglichkeit und das Risiko, die bereits getrennten Bestandteile zu stören. Die erforderliche Zeit lässt sich nicht allein aus der Höchstdrehzahl ableiten: Geometrie, Matrixeigenschaften und Trennziel bestimmen das Ergebnis mit.

Identifizieren Sie bei einem Transfer Rotor, Becher, Adapter und Röhrchen eindeutig. „Rotor für 15-mL-Röhrchen“ reicht nicht, wenn Konfigurationen unterschiedliche Radien oder Probenpositionen aufweisen. Fordern Sie Zeichnungen und Daten für die vorgeschlagene Kombination an; Ähnlichkeit ist kein Kompatibilitätsnachweis.

Drehzahl und RZB mit dem richtigen Radius umrechnen

RPM bezeichnet Umdrehungen pro Minute, also min⁻¹. Die relative Zentrifugalbeschleunigung, RZB oder RCF, ist das Verhältnis der Zentrifugalbeschleunigung zur Normfallbeschleunigung. Sie ist dimensionslos und wird üblicherweise als Vielfaches von g angegeben; gemeint ist keine Masse in Gramm. Aus der Kreisbewegung folgt:

RZB ≈ 1,118 × 10−5 × r × n², mit r in Zentimetern und n in Umdrehungen/min. Der gerundete Koeffizient verwendet g₀ = 9,80665 m/s² und die Umrechnung von Minuten in Sekunden. Setzen Sie bei diesem Koeffizienten keinen Radius in Millimetern ein.

Simuliertes Beispiel: Der maximale Radius rmax von der Achse bis zum inneren Röhrchenboden in Betriebsstellung betrage bei A 10,0 cm und bei B 15,0 cm. Bei 3.000 RPM liefert die gerundete Formel 1.006,2 × g beziehungsweise 1.509,3 × g: B liegt 50 % höher. Das sind berechnete Werte, keine Messungen der tatsächlichen Drehzahl.

Für die bei A berechnete RZB ergibt sich auf B: nB = 3.000 × √(10/15) ≈ 2.449 RPM. Dies ist ein mathematischer Vergleich, kein freigegebener Sollwert. Prüfen Sie die Radiusdefinition von Methode und Gerät: Minimal-, Mittel- und Maximalradius sind nicht austauschbar. Ein Adapter kann die Röhrchenposition verändern. Auch bei gleicher RZB bleiben Sedimentationsweg und Zyklusbedingungen zu vergleichen.

Kompatibilität und Beladung des Gesamtsystems prüfen

Zentrifuge, Rotor, Becher, Adapter, Verschlüsse und Röhrchen bilden ein System. Die Kombination muss für vorgesehene Drehzahl, Temperatur, Matrix und Last ausdrücklich zulässig sein. Der Grenzwert eines einzelnen Bauteils erlaubt dem Gesamtsystem nicht automatisch den Betrieb bei diesem Wert.

Fordern Sie geltende Grenzen für Masse, Dichte und Füllung, erlaubte Beladungsmuster und Auswuchtkriterien an. Gleiche Volumina bedeuten bei unterschiedlichen Flüssigkeiten, Gefäßen oder Zubehörteilen nicht zwingend gleiche Massen. Verwenden Sie keine pauschale Grammtoleranz, sondern die Vorgaben der dokumentierten Konfiguration.

Bewerten Sie außerdem chemische Beständigkeit, Verschluss und mechanische Abstützung des Gefäßes. Ein in den Adapter passendes Röhrchen kann dennoch ungeeignet sein. Verändern Sie keine Teile und kompensieren Sie keine unzulässige Kombination durch intuitiv gewählte Drehzahlen. Fehlende Angaben bedeuten, dass die Kompatibilität vor Gebrauch noch nachzuweisen ist.

Temperatur, Dauer und Rampen festlegen

Definieren Sie die von der Probe benötigte Temperatur und den Zeitraum ihrer Einhaltung. Eine gekühlte Zentrifuge beweist nicht automatisch, dass jede Probe den angezeigten Wert erreicht und hält. Last, Anfangsbedingungen, Rotor und Dauer müssen in die bewerteten Bedingungen eingehen.

Klären Sie, ob die Zeitmessung mit dem Start oder erst beim Erreichen der Solldrehzahl beginnt. Zwei Programme gleicher Nenndauer können deshalb unterschiedliche Belastungen erzeugen. Legen Sie methodengerechte Beschleunigung und Bremsung fest; eine andere Bremsung kann eine empfindliche Trennung stören.

Bei kritischem Analyt oder kritischer Matrix verbinden Sie den Vergleich mit Stabilitätsdaten und Nachweisen zur Wiederfindung bei der Probenvorbereitung. Die Auswahl soll den gesamten Zyklus einschließlich der Wartezeit vor Fraktionsgewinnung beherrschbar machen, nicht nur die Phase konstanter Drehzahl.

Installation und sicheren Betrieb vorbereiten

Prüfen Sie vor Bestellung Platz, stabile Aufstellung, Stromversorgung, Lüftung, Wartungszugang und vorgeschriebene Abstände. Berücksichtigen Sie chemische und biologische Probenrisiken, erforderlichen Einschluss und den Umgang mit Leckagen oder Bruch. Ein geschlossener Deckel allein belegt keine Aerosolrückhaltung.

IEC 61010-2-020:2026 betrifft die Sicherheit elektrischer Laborzentrifugen und ersetzt die Ausgabe 2016. Der öffentliche Eintrag bestätigt den Anwendungsbereich; er belegt hier nicht die Konformität eines bestimmten Modells. Deklarierte Ausgabe, lokale Übernahme und Sicherheitsunterlagen sind im Beschaffungskontext zu bewerten.

Legen Sie Schulung, Kontrollen vor Gebrauch, Wartung und erforderliche Rotorverfolgung fest. Beachten Sie vollständigen Stillstand und Schutzeinrichtungen: Keine Prüfung rechtfertigt Öffnen während der Rotation oder Überbrücken der Verriegelungen. Qualifizierung und Wartung benötigen eigene Pläne über diese Erstauswahl hinaus.

Aus dem Vergleich eine Entscheidung ableiten

Diese eigens entwickelte Matrix unterstützt präzise Anfragen vor dem Kauf. Füllen Sie sie für jede mögliche Konfiguration aus und dokumentieren Sie erhaltene Unterlagen, Lücken und die Entscheidung der verantwortlichen Person.

Auswahlmatrix für Zentrifugen
BedarfAnzufordernder NachweisZu begründende Entscheidung
Vorgesehene TrennungRotor, Geometrie, angegebener Radius und ZielfraktionFür das Methodenergebnis geeignete Konfiguration
Volumina und DurchsatzKapazität mit tatsächlichen Röhrchen, Adaptern und LastenProben innerhalb der erforderlichen Zeit bearbeitbar
KompatibilitätZulässige Kombinationen und KomponentengrenzenKeine undokumentierten Kombinationen
Zyklus und TemperaturTimerdefinition, Rampen und angegebene thermische BedingungenIm Einsatzbereich überprüfbare Funktionen
LebenszyklusInstallation, Einschluss, Wartung und LebensdauergrenzenTragfähige Zuständigkeiten und Ressourcen

Simulierter Fall: Ein Labor überträgt eine Vorschrift von Rotor A auf B des Beispiels und schlägt dieselben RPM vor. Die Prüfung zeigt sofort eine andere RZB. Die Rechenkorrektur ist notwendig, schließt den Transfer aber nicht ab: Die verantwortliche Person vergleicht Geometrie, Röhrchen, Last, Zeit, Temperatur und Fraktionswiederfindung und genehmigt gezielte Prüfungen vor dem Routineeinsatz. Maßgeblich ist die dokumentierte Eignung des Systems für die Methode.

Weitere Themen finden Sie im Bereich Liquid Handling und Probenvorbereitung.

Weiterführende Hinweise zu den verbundenen Arbeitsschritten: Qualifizierung von Zentrifugen: Drehzahl, Temperatur und Zeit; Zentrifugenwartung: Vibrationen, Rotoren und Störungen.

Quellen und Geltungsbereich

Fachinformationen zur Entscheidungsfindung; sie ersetzen weder freigegebene Verfahren noch geltende Anforderungen oder das Gerätehandbuch.

Weiterführende Artikel