PHARMA LAB · PL-03-012
Serielle Verdünnungen: Berechnung, Durchführung und Fehlerkontrolle

In diesem Artikel
Die Formel kann richtig und die Lösung trotzdem falsch sein: Es genügt, das Verdünnungsmittelvolumen statt des Endvolumens einzusetzen, einen Mischschritt auszulassen oder aus dem falschen vorherigen Gefäß zu entnehmen. Eine serielle Verdünnung braucht ein klares quantitatives Modell und eine rekonstruierbare Abfolge. Zusätzliche Schritte ermöglichen manche hohen Verdünnungsverhältnisse, schaffen aber auch weitere Fehlergelegenheiten.
Mit Konzentration und Einheiten beginnen
Festlegen, was die Konzentration bezeichnet: Analytmasse pro Lösungsvolumen, Stoffmenge pro Volumen oder Massenanteil. mg/mL und µg/mL lassen sich umrechnen; mol/L erfordert zusätzlich die passende chemische Identität und molare Masse. Prozentangaben m/m, m/V und V/V nicht gleichsetzen. Einen Massenanteil nicht allein anhand von Volumina umrechnen, wenn erforderliche Angaben wie die Dichte fehlen.
Einheiten vor dem Einsetzen der Werte vereinheitlichen. Beispielsweise entspricht 1 mg/mL genau 1000 µg/mL und 1 mL entspricht 1000 µL. Die zugewiesene Konzentration der Stammlösung von den nachfolgenden Faktoren trennen. Verlangt das Verfahren Korrekturen für Gehalt, Reinheit oder eine andere Bezugsbasis, diese an der vorgesehenen Stelle nachvollziehbar anwenden und eine doppelte Berücksichtigung vermeiden.
C₁V₁ = C₂V₂ mit den zugehörigen Annahmen verwenden
Für eine Verdünnung ohne Analytverlust oder Analytbildung gilt C₁ × V₁ = C₂ × V₂. C₁ ist die Konzentration der entnommenen Lösung; V₁ das überführte Aliquotvolumen; C₂ die resultierende Konzentration; V₂ das Endvolumen der neuen Lösung. V₁ muss nicht dem gesamten Inhalt des Ausgangsgefäßes entsprechen. Die Beziehung beschreibt eine Bilanz, wie auch die Lehrunterlagen des Rose-Hulman Institute of Technology zu Verdünnungen zeigen.
Das Modell setzt ein repräsentatives Aliquot, quantitative Überführung und Erhalt des Analyten in der gemessenen Form voraus. Adsorption, Abbau oder Ausfällung können die einfache Anwendung ungültig machen. Das Verdünnungsmittel darf keine unberücksichtigte Analytmenge eintragen. Auf Massenprozent lässt sich die Volumengleichung nicht automatisch anwenden: Dafür ist eine massenbasierte Bilanz erforderlich.
2 mL auf 100 mL aufzufüllen bedeutet nicht, 100 mL Lösungsmittel zuzugeben. Außerdem ist das Endvolumen nicht immer die Summe der Ausgangsvolumina: NISTIR 8342 zeigt dies für Ethanol-Wasser-Gemische. Deshalb das vorgesehene Vorgehen zur Einstellung des Endvolumens einhalten und relevante Temperaturbedingungen berücksichtigen.
Die Faktoren der einzelnen Stufen multiplizieren
Hier ist der Faktor definiert als F = VEnde/VAliquot, bei einer Verdünnung größer als 1. Die Konzentration wird durch F geteilt. Manche Quellen verwenden den Kehrwert; eine ausdrückliche Definition vermeidet Verwechslungen. „1:10“ allein ist weniger eindeutig als „1 mL entnehmen und auf 10 mL Endvolumen auffüllen“.
Simuliertes Zahlenbeispiel. Stammlösung S enthält nominal 1000 µg/mL. Angenommen werden homogene, stabile Lösungen, keine Verluste und korrekt eingestellte Endvolumina. Die Werte dienen der Erläuterung; sie sind weder ein validiertes Verfahren noch eine Unsicherheitsangabe.
| Lösung | Ausgangslösung | Aliquot (mL) | Endvolumen (mL) | Stufenfaktor / Gesamtfaktor | Konzentration (µg/mL) |
|---|---|---|---|---|---|
| A | S | 2,00 | 100,0 | 50 / 50 | 20 |
| B | A | 5,00 | 50,0 | 10 / 500 | 2 |
| C | B | 10,00 | 20,0 | 2 / 1000 | 1 |
Fgesamt = 50 × 10 × 2 = 1000; CC = 1000/1000 = 1 µg/mL. Die Faktoren müssen nicht gleich sein. Jede Stufe nutzt die angegebene vorherige Lösung. Werden alle Konzentrationsstufen direkt aus der Stammlösung angesetzt, handelt es sich um ein anderes Schema, das gesondert zu berechnen ist.
Praktisch ausführbare Volumina wählen
Die Schritte innerhalb nachgewiesener Einsatzbereiche der Geräte planen und Flüssigkeit, Spitzen, Gefäß sowie benötigte Menge für Analyse und Kontrollen berücksichtigen. Eine einstufige Verdünnung kann ein für das verfügbare System ungeeignetes Aliquot erfordern. Viele Stufen können dagegen Überführungen, Verbrauch und Unsicherheitsbeiträge erhöhen. Alternativen anhand des Zwecks vergleichen, ohne mehr Schritte grundsätzlich für besser zu halten.
Bei Pipetten auf die zur Flüssigkeit passende Technik und das Pipetten-Spitzen-System achten. Ein Messkolben definiert ein enthaltenes Volumen; er ist nicht automatisch zur Abgabe dieses Volumens geeignet. ISO 1042:1998 betrifft Messkolben mit einer Marke. Der Verweis ersetzt weder Kennzeichnung und Status noch die Eignung der tatsächlich eingesetzten Glasgeräte.
Jede Lösung mischen, überführen und identifizieren
Eindeutige Kennungen für Stamm- und Folgelösungen vorbereiten. Herkunft und Ziel vor der Entnahme prüfen, vor dem nächsten Aliquot wie vorgesehen mischen und Mengen sowie Abfolge während der Arbeit dokumentieren. Das Vorgehen muss zu Matrix und Gefäß passen: Schaum, Sedimentation oder Verdunstung können die Entnahme beeinträchtigen.
Die Verbindung zwischen Lösung, ausführender Person, Gerät, Verdünnungsmittel und kritischen Zeiten erhalten. Nach einer Entnahme nimmt die verfügbare Menge ab, die Konzentration der verbleibenden homogenen Lösung ändert sich durch diese Entnahme allein jedoch nicht. Restvolumen und Verdünnungsfaktor daher nicht verwechseln. Ansätze unter den Bedingungen und für die Zeiträume schützen, deren Eignung im Verfahren nachgewiesen wurde.
Fehler von gemeinsamen Beiträgen unterscheiden
Ein festgestellter Ausführungsfehler wird nicht einfach durch Vergrößerung der Unsicherheit behandelt. Bei einer korrekt ausgeführten Reihe umfasst das Modell dagegen Stammlösungskonzentration und Volumenverhältnisse. Trägt dieselbe Pipette oder Referenz zu mehreren Stufen bei, können einzelne Effekte gemeinsam wirken: Die Beobachtungen sind nicht automatisch unabhängig.
Das von NIST beschriebene Gesetz der Unsicherheitsfortpflanzung berücksichtigt Kovarianzen. Nur die quadrierten relativen Beiträge zu addieren ist eine Vereinfachung, die passende Annahmen voraussetzt. Vorzeichen und Ausmaß eines Effekts hängen vom Modell ab; eine gemeinsame Ursache kann mehrere Stufen gleichzeitig beeinflussen. Wiederholte Messungen der Endlösung machen die Ansätze nicht unabhängig.
In Zwischenrechnungen genügend Stellen beibehalten und nach den Verfahrensregeln runden. Viele Nachkommastellen belegen keine Genauigkeit. Vorgesehene, dokumentierte metrologische Korrekturen sind etwas anderes als erfundene Faktoren, mit denen ein Ergebnis passend gemacht wird.
Rückwärts prüfen und einen Fehler rekonstruieren
Die Rückrechnung beginnt bei C: 1 × (20/10) = 2 µg/mL in B; 2 × (50/5) = 20 in A; 20 × (100/2) = 1000 in der Stammlösung. Auch Einheiten, Datenherkunft und Übertragungen prüfen. Kapitel 6 des EU-GMP-Leitfadens verlangt eine kritische Prüfung der Berechnungen. Dieselbe kopierte Formel erneut zu lesen ist keine wirksame unabhängige Kontrolle.
Simulierter Fall. In Stufe B werden 4,00 mL aus A statt 5,00 mL überführt, weiterhin auf 50,0 mL Endvolumen. Unter den Beispielannahmen enthält B dann 20 × 4/50 = 1,6 µg/mL. C wird wie vorgesehen aus B hergestellt und enthält 0,8 µg/mL, also 20 % weniger als angestrebt. A ist von diesem konkreten Fehler nicht betroffen, sofern keine anderen Hinweise vorliegen. Weitere aus B abgeleitete Lösungen sind betroffen.
Die betroffenen Ansätze sperren, Originaldaten erhalten und das Ereignis dokumentieren. Die Rechnung erklärt die theoretischen Auswirkungen, erlaubt aber weder Umetikettierung noch Zugaben oder eine Verwendung außerhalb des Verfahrens. Die verantwortliche Person legt Untersuchung und Wiederholung fest. Diese Kontrollen in den Ablauf der Probenvorbereitung im Bereich PL-03 einbinden.
Weiterführende Hinweise zu den verbundenen Arbeitsschritten: Analytisches Wägen: Technik, Elektrostatik und Probentransfer.
Quellen und Grenzen des Beispiels
Am 30. September 2026 abgerufene Quellen: Rose-Hulman-Lehrunterlagen, Abschnitt Verdünnungen; NIST TN 1297 (1994), Anhang A; NISTIR 8342 (2021), Nichtadditivität von Volumina; EU-GMP-Leitfaden, Kapitel 6 (2014). ISO 1042:1998: öffentliche Beschreibung, veröffentlichte Ausgabe; ISO/DIS 1042 ist weiterhin in Entwicklung. Aus dem nicht eingesehenen ISO-Volltext werden keine Toleranzen abgeleitet. Tabelle und Fall sind eigene, rechnerisch geprüfte Beispiele und werden nicht als experimentelle Ergebnisse dargestellt.
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